Von der Gruppenpraxis zum Gesundheitszentrum

Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:

  1. Was ist ein „Gesundheitszentrum“?

Wie sie, liebe Patientinnen und Patienten, schon verschiedensten Medien entnehmen konnten, haben wir beschlossen, unsere Ordination in ein „Gesundheitszentrum“ umzuwandeln. Dieses Wort erklärt nicht viel, denn ein Zentrum sind wir ja schon lange. Daher zuerst einmal eine Begriffserklärung:

In der Gesundheitspolitik gibt es den Begriff „Primär-versorgungszentrum (PVZ)“ bzw. „Primärversorgungseinheit (PVE)“. Da man wohl zurecht der Meinung ist, dass niemand versteht, was das denn bedeuten soll, bevorzugt man in der Steiermark den Allerweltsbegriff „Gesundheitszentrum“. Das geht zwar leichter über die Lippen, sagt aber auch nichts aus.

Was damit gemeint ist
In der traditionellen österreichischen Kassenpraxis ist ein Arzt für seine Patienten da. Möglichst rund um die Uhr werden Leiden aller Art versorgt, die Arbeitsbelastung ist groß, Zeit für die Familie gibt es so gut wie keine. Was noch hinzukommt: Man ist als Arzt auf sich alleine gestellt, kann sich zu einzelnen Patienten kaum austauschen.
Im „Gesundheitszentrum“ hingegen sollen zumindest drei praktische Ärzte da sein, die sich die Arbeit aufteilen können und ihr Wissen und ihre Erfahrungen untereinander austauschen. Dieses System hat natürlich für Ärzte ebenso wie für Patienten deutliche Vorteile.
In der steirischen bzw. österreichischen Gesundheits-politik kommt noch ein weiterer, sehr wesentlicher Faktor hinzu: Diese Gesundheitszentren können auch mit längeren Öffnungszeiten mehr Patienten betreuen. Damit sollte sich auch der Ansturm auf die Spitals-ambulanzen reduzieren, Kosten werden eingespart und man kann die Bettenzahl in den Spitälern reduzieren ohne die Gesundheitsversorgung zu verschlechtern – zumindest theoretisch.

Was bedeutet das nun konkret für unser Ärztezentrum?
Unser Ärztezentrum besteht organisatorisch aus zwei Teilen: Im Mittelpunkt steht die Gruppenpraxis Dr. Braunendal – Dr. Zeder als Kassenpraxis. Alle anderen in unserem Zentrum sind Untermieter und agieren selbstständig. Daran wird sich auch weiterhin nichts ändern.
Allerdings wird die Gruppenpraxis selbst in ein „Gesund-heitszentrum“ umgewandelt:

Schritt 1 – Ausweitung der Öffnungszeiten
Als „Gesundheitszentrum“ müssen wir pro Woche 40 Stunden Ordinationszeiten (Arzt ist anwesend) und zehn zusätzliche Stunden telefonische Erreichbarkeit anbieten.
Wir setzen diese neue Verpflichtung in drei Schritten um:

Seit Montag, 5. August 2019 öffnet unser „Gesundheitszentrum“ nicht erst um 8 Uhr früh, sondern bereits um 7 Uhr.
Ab dieser Woche verschieben sich auch die Nach-mittagsordinationen: Statt von 16.30 bis 19 Uhr werden wir von 16 Uhr bis 18.30 geöffnet haben.
Ab Montag, 2. September 2019 ist auch jeden Montag nachmittags geöffnet, und ab Oktober 2019 auch die Mittwoch-Nachmittage.

Schritt 2 – mehr praktische Ärzte, mehr Personal
Um die neuen Ordinationszeiten auch durchgehend mit Ärzten besetzen zu können, brauchen Dr. Andrea Braunendal und Dr. Björn Zeder Unterstützung. Schließlich gibt es ja auch noch Hausbesuche, die betreuung von Pflegeheimen und die organisatorischen Arbeiten.
Unsere Patientinnen und Patienten kennen seit vielen Jahren Dr. Katharina Hadayer-Ingolic und seit einigen Monaten auch Dr. Veronika Polz als Vetretungsärztinnen, die einspringen, wenn Urlaube, Fortbildungen oder Krankenstände anstehen. Die beiden Ärztinnen werden nun in den Regelbetrieb der Ordination integriert.
Wir bemühen uns dabei ein System zu schaffen, in dem alle vier Ärzte ihre fixen Ordinationszeiten haben: Das ist uns wichtig, denn nur so können wir die Idee des Hausarztes aufrecht erhalten.
Aktuell sind es unsere Patienten gewohnt, dass immer zwei Ärzte anwesend sind. Wir müssen nun in der Startphase ausprobieren, ob an den zusätzlichen Nach-mittagen (erst Montag, später Montag und Mittwoch) ein Arzt ausreichend ist. Wir werden hier in der Besetzung der Öffnungszeiten mit den vier Ärzten einiges ausprobieren müssen – wir bitten Sie daher um etwas Geduld bis wir einen fixen Plan haben, welcher Arzt wann ordiniert.
Längere Öffnungszeiten bedeuten natürlich auch einen zusätzlichen Personalbedarf. Da neue Kräfte erst eingeschult werden müssen, ist auch das ein Grund, warum wir die Öffnungszeiten nicht sofort auf 40 Stunden umstellen, sondern die Ausweitung Schritt für Schritt vornehmen.

Schritt 2 – zusätzliche Angebote

Nach dem Plan der Gesundheitspolitik soll aber ein „Gesundheitszentrum“ mehr leisten als längere Öff-nungszeiten:
Österreich hat bekanntlich ein hervorragendes Gesund-heitssystem, dass der Bevölkerung vor allem einen im internationalen Vergleich nahezu einzigartigen Vorteil bietet: Die medizinische Versorgung ist so gut wie kostenlos. Alle können im Prinzip jederzeit zum Arzt oder ins Krankenhaus, ohne dafür sofort und direkt bezahlen zu müssen (auch wenn es zusätzlich kostenpflichtige Angebote wie Wahl- und Privatärzte bzw. private Sana-torien etc. gibt).
Dennoch – aber vielleicht auch gerade deshalb – hinken wir im internationalen Vergleich in einem nicht ganz unwichtigen Parameter hinterher: Wir werden zwar im Durchschnitt sehr alt – Männer im Durchschnitt 79,29 Jahre, Frauen 84,01 Jahre -, aber: Davon erleben wir nur 57 Jahre beschwerdefrei, im EU-Durchschnitt sind es aber rund 64 Jahre.
Woran es bei uns mangelt ist die persönliche Gesund-heitsvorsorge, also das Bewusstsein, im Alltag selbst etwas dazu beizutragen, gesund zu bleiben. Dass Ärzte und Spitäler so einfach zugänglich sind, spielt dabei wohl durchaus eine Rolle …
Um daran etwas zu ändern, wird den neuen „Gesundheitszentren“ und damit auch uns eine neue Aufgabe zuteil: Wir kümmern uns nicht nur um akut Kranke, sondern sollen unsere Patientinnen und Patienten auch dabei unterstützen, länger gesund zu bleiben. Ge- meint sind damit nicht die klassischen Alltagswehwehchen wie Husten, Schnupfen, Übelkeit und dann und wann kleinere Verletzungen, die eben passieren. Gemeint ist vielmehr ein Gesundheitszustand bzw. ein Lebensstil, der absehbar zu chronischen Erkrankungen führt: Das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, den einen oder anderen Krebstyp lässt sich durch einen gesünderen Lebensstil verringern.
Dazu braucht es aber mehr als dezente Hinweise des Hausarztes nach dem Motto:
Sie sollten mit dem Rauchen aufhören!
Trinken Sie weniger Alkohol!
Essen Sie gesünder und machen Sie mehr Bewegung!
Was es tatsächlich braucht, sind eigene, speziell ausgebildete Experten, die dabei helfen, diese Ziele auch tatsächlich umzusetzen. Denn alleine schafft das bekanntlich kaum jemand.
In unserem Gesundheitszentrum werden Sie daher im Laufe der Zeit zusätzliche Angebote finden und wir Ärzte sind gefordert, Sie davon zu überzeugen, diese Angebote auch anzunehmen:

1) Akut-Physiotherapie
Erkrankungen des Bewegungsapparates sind Alltag in unserer Ordination: Rückenschmerzen von der Lende bis zum Hals, Gelenksprobleme (Hüfte, Knie, Schulter) etc. sind Standard und enden häufig in Operationen. Physiotherapeuten wie jene des bei uns eingemieteten Team Xundpfleger oder in Reha-Kliniken sind dann gefordert, postoperativ begleitend zur Seite zu stehen. Bis es zur Operation kommt, helfen wir Hausärzte mit Spritzen und Schmerzmitteln.
Im neuen „Gesundheitszentrum“ wird es einen eigenen Physiotherapeuten geben, der bei akuten Beschwerden möglichst rasch für eine Therapieeinheit zur Verfügung steht: Bevor wir einfach nur die Schmerzen unterdrücken, soll der Therapeut feststellen, welche Probleme Ihr Bewegungsapparat eigentlich hat und Ihnen wenn möglich Übungen zeigen und empfehlen, die auf das zugrundeliegende Problem abzielen. Dieses Angebot wird für unsere Patienten kostenlos sein, kann und soll aber eine längere physiotherapeutische Behandlung nicht ersetzen!

2) Ernährungsberatung
Sie sollten abnehmen und wissen nicht wie? Richtiges und nachhaltiges Abnehmen funktioniert nur über eine Umstellung der Ernährung. Ein schwieriges Unterfangen, das noch schwieriger ist, wenn es nicht nur um die eigenen Gewohnheiten geht, sondern eine ganze Familie mit am Tisch sitzt.
Sie werden bei uns daher zukünftig eine eigene Diätologin im Haus finden, mit der Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten besprechen und professionell begleitet verändern können.

3) Raucherentwöhnung
Auch zu diesem Thema wird es regelmäßig eine erfahrene Fachkraft vor Ort geben, die Ihnen hilft, Ihre Ab- hängigkeit in den Griff zu bekommen.
4) Psychotherapie
Eine kranke Seele macht auch den Körper krank. Ob drohendes Burnout oder seelische Belastungen in der Familie, am Arbeitsplatz, das Verarbeiten dramatischer Erlebnisse wie Todesfälle: Auch hier werden wir Ihnen für ein Erstgespräch eine Psychotherapeutin anbieten, die Ihnen weiterhelfen kann.

5) Sozialhilfe
Auch eine Sozialhelferin soll zu fixen Terminen im neuen Zentrum anwesend sein. Ihre Aufgabe ist es, bei verschiedensten sozialen Fragen von Angeboten für Jugendliche bis zu Möglichkeiten rund um Krankheit und Pflege Auskunft zu geben. Thema sind dabei die Angebote selbst, aber auch Fragen zu Finanzierung und Förderung.
6) medizinische Vorsorgeprogramme
Ob Diabetes, Bluthochdruck oder Probleme mit der Niere: Für derartige chronische Erkrankungen gibt es medizinische Begleitprogramme, die dafür sorgen sollen, dass das bestehende Problem nicht größer wird.
Im Behandlungsalltag einer Kassenpraxis bleibt für die Patientenbetreuung innerhalb dieser erprobten Pro- gramme leider zu wenig Zeit. Mit mehr Ärzten und einer anderen Arbeitsaufteilung innerhalb unseres Teams wird sich das ändern und wir werden betroffene Patienten vermehrt und besser betreuen können.

Alle diese zusätzlichen Angebote werden wir im Laufe der Zeit Schritt für Schritt in das Angebot unseres Gesundheitszentrums integrieren!