Infektion der Harnwege

Dr.  Andrea Braunendal über Ursache, Diagnose und Behandlung von Harnwegsinfekten

Vor allem Frauen kennen das lästige Problem der Harnwegs-infekte. Gemeint sind damit Ent-zündungen, die im Regelfall den Harnleiter und die Blase betreffen. Die Blasenentzündung wird typischerweise von vermehrtem Harndrang, häufigem Harn lassen, Unterbauchschmerzen und Krämpfen sowie einem Brennen beim Urinieren begleitet. Auch ungewollter Urinverlust, Blutbeimengung im Urin und Genitalschmerzen können auftreten. Als allgemeine Beschwerden können ein Krankheitsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fieber und Schüttelfrost hinzukommen – vor allem bei älteren Menschen. Das beste Anzeichen für eine akute Blasenentzündung ist dabei der häufige Harndrang.

Ursachen von Harnwegsinfekten
Ausgelöst werden Harnwegsinfekte in 95-98% der Fälle durch den Aufstieg von Darmbakterien über die Harnröhre in Richtung Blase. Diese Bakterien sind durchaus ein normaler Teil einer gesunden Darmflora, gehören aber eben nicht in die Harnröhre.
Warum Frauen so viel häufiger betroffen sind, lässt sich anatomisch einfacher erklären: Zum einen ist die weibliche Harnröhre und damit der Weg zur Blase sehr viel kürzer, zum anderen liegen Darmausgang (Anus) und Harnröhre näher beieinander. Auch das Sexualleben – sehr häufiger Geschlechtsverkehr oder die Art der Empfängnisverhütung sind mögliche Auslöser. Mit zunehmendem Alter spielt auch die Verän-derung des Hormonhaushalts mit der Menopause eine Rolle.
Schwieriger ist die Sachlage bei Männern: Da hier die bei Frauen oft einfach erklärbare Infektionsursache nicht so sehr zum Tragen kommt, basieren die wesentlich selteneren Infekte auf komplizierteren Ursachen wie Diabetes mellitus, Harnsteinen, Prostatabeschwerden etc.

Die Behandlung einer klassischen Blasenentzündung erfolgt meist mit Antibiotika, wobei wir in der Behand-lungspraxis leider feststellen müssen, dass die oft zitierten Antibiotikaresistenzen, ausgelöst durch die zu häufige Verwendung, immer öfter zur Wirkungslosigkeit dieser Therapie führen. Die Rate der Spontanheilungen (also ohne Antibiotikabehandlung) liegt bei akuten, un-komplizierten Harnblasenentzündungen bei 30 bis 50%.
Daher sollte man nicht unbedingt und in jedem Fall  Antibiotika nutzen oder vorab eine Harnkultur zur Bestimmung des verursachenden Keims machen. Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt, je nach Schwere der Infektion kann unter Umständen die Antibiotikatherapie hinausgezögert oder darauf verzichtet werden. Jedenfalls behandelt werden die schmerzhaften Symptome wie das Brennen beim Wasserlassen oder Krämpfe.

Vorbeugung von Harnwegsinfekten
Hier gibt es vor allem für Frauen eine Fülle von Tipps, mit denen man die Infektionsgefahr verringern kann:

  • Trinken Sie circa 2 Liter Flüssigkeit am Tag – bei einer akuten Entzündung als Therapie übermäßig viel zu trinken, hat jedoch keinen positiven Effekt. Manchen Säften (Preiselbeere, Cranberry) sagt man nach, dass sie die Abheilung einer Entzündung fördern können – sie ersetzen aber nicht den Arztbesuch!
  • Gehen Sie bald, nach jedem Geschlechtsverkehr, auf die Toilette.
    Halten Sie sich warm, wechseln Sie nasse Kleidung (Badeanzüge!) so schnell wie möglich.
  • Gehen Sie bei Harndrang eher rasch auf die Toilette – normal ist tagsüber 4-6 mal, 0 oder einmal in der Nacht.
  • Nach dem Stuhlgang von vorne (Scheide) nach hinten (After) abwischen.
  • Intimhygiene: Der Intimbereich ist grundsätzlich durch eine saure Flora vor Infektionen geschützt. Übertrieben häufiges und intensives Waschen – vor allem das Benutzen von Seife, Desinfektionsmitteln, Sprays und Lotionen zerstört den natürlichen Schutzfilm und erhöht damit die Infektionsanfälligkeit. Am besten nur mit warmem Wasser waschen. Auch Wannenbäder sollten wenn möglich ohne Zusätze erfolgen.
  • Alle Männer sollten täglich die Vorhaut, bzw. die Eichel reinigen. Auch hier ist übertriebene Hygiene (Seife & Co) eher kontraproduktiv.