Eisenmangel bei Frauen & im Alter

Teil 1 / Eisenmangel bei Frauen

Dr. Björn Zeder

Was Frauen mit starker Regelblutung wissen sollten

Starke Monatsblutungen können auf Dauer zu Eisenmangel führen. Müdigkeit, Konzentrations-probleme, Haarausfall, brüchige Nägel und Antriebslosigkeit sind die möglichen Folgen. Regel-mäßige Eisenkontrollen im Blut helfen, den persönlichen Eisen-status im Blick zu haben und bei Bedarf rasch mit einer Eisen-therapie gegenzusteuern.

Eisenbedarf und Ernährung
Es ist eine einfache Rechnung: Über die Ernährung werden in der Regel täglich 10-15 mg Eisen aufgenommen. Allerdings verwertet der Körper davon nur etwa 10%, also maximal 1,5 mg. Durchschnittlich 1,2 mg gehen über ausfallende Haare, Schweiß, Urin, Stuhl und Haut-abschilferungen pro Tag verloren. Dieser Bedarf kann mit dem aufgenommenen Eisen gedeckt werden. Zumindest bei Männern.

Aus der Balance
Denn bezieht man die monatlichen Regelblutungen der Frau in die Rechnung mit ein, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Zufuhr und Verlust von Eisen ins Negative. Denn während einer normalen Monatsblutung verliert eine Frau zwischen 5 und  80 ml Blut. Das entspricht einem Eisenverlust von 2,5 mg bis 40 mg. Frauen mit starker Regelblutung verlieren sogar mehr als 80 ml Blut pro Zyklus. Das Risiko, dass  sich dadurch auf Dauer ein Eisenmangel entwickelt, ist hoch.
Viele Frauen bemerken diese schleichende Entwicklung zunächst nicht. Vermuten sie einen Eisenmangel als Grund für ihre Beschwerden, folgt in der Regel der Versuch, mit eisenhaltiger Nahrung die Speicher wieder aufzufüllen. Auch hierzu eine einfache Rechnung: In 10 dag Rindfleisch sind ca. 2 mg Eisen enthalten. Wenn von diesen 2 mg etwa 10% vom Körper aufgenommen werden, müsste eine Frau pro Monat rund 1,5 kg Rindfleisch essen, um 2,5 mg Eisenverlust bei schwacher Blutung und 20 kg (!) Rindfleisch, um 40 mg Eisenverlust bei starker Blutung zu decken!
Viele Frauen unterschätzen, wie hoch ihr Blutverlust durch die Menstruation tatsächlich ist. Und sie überschätzen häufig die Möglichkeiten der Eisenaufnahme über die Nahrung. Es lohnt sich daher, den Eisenstatus kontrollieren zu lassen und gegebenenfalls rechtzeitig eine Eisentherapie zu beginnen!
Alle notwendigen Untersuchungen und gegebenenfalls nötigen Therapien bieten wir in unserer Ordination!

Teil 2 / Eisenmangel im Alter

Dr. Andrea Braunendal

Über den häufigen Zusammenhang von Anemie und Eisenmangel

Bei der Behandlung pflegebedürftiger Patientinnen und Patienten – sei es in Pflegeheimen oder in häuslicher Betreuung – ist Anämie, also Blutarmut eine häufige Diagnose. Unter dieser Blutarmut versteht man eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Ery-throzyten), des roten Blutfarb-stoffes (Hämoglobin) im Blut und/oder des Anteils der Erythrozyten am Gesamtvolumen (Hämatokrit). Anämie führt zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwäche und fördert damit die allgemeine körperliche Schwächung der betagten Patienten. Bei zusätzlichen akuten Erkrankungen ist der geschwächte Organismus auch immer schlechter in der Lage zu regenerieren.

Ursachen der Anämie
Der Hämoglobinspiegel fällt bei Männern und Frauen mit zunehmenden Lebensalter ab, bleibt jedoch bei Gesunden im definierten Normbereich.
Besteht eine Anämie, definiert als Unterschreiten dieses Normbereichs, sollte daher die Ursache geklärt werden.  Akute Ursachen einer Anämie wie z.B. Blutungen oder eine Hämolyse sind selten. Weitaus häufiger ist es ein schleichender Prozess, der zu einer Anämie führt. Aus-löser dieses Prozesses sind häufig Eisenmangel sowie  chronische Erkrankungen, die gerade bei pflegebedürf-tigen Patienten alltätglich sind.

Therapiemöglichkeiten bei Eisenmangel
Wichtige Eisenlieferanten in der Nahrung sind rotes Fleisch und Innereien, Fisch, Meeresfrüchte und Geflügel. Besonders gute Eisenlieferanten sind Blutwurst oder Leber. Einen relativ hohen Eisengehalt unter pflanzlichen Nahrungsquellen bieten Hülsenfrüchte wie Linsen, Sojabohnen oder Kichererbsen.
All dies gehört kaum und schon gar nicht in ausreichender Menge zum täglichen Speiseplan betagter Menschen:
Sie essen grundsätzlich wenig und haben häufig Probleme mit dem Kauen und Schlucken fester Nahrung.
Daher ist es nötig, Eisen zusätzlich zu verabreichen. Dazu gibt es unterschiedliche Eisenpräparate in Tabletten- oder Kapselform, die regelmäßig eingenommen werden sollten. Ideal ist die Einahme zwischen den Mahlzeiten, da viele Lebensmittel die Eisenaufnahme hemmen. Wenn Patienten auf die orale Aufnahme von Eisen negativ reagieren – etwa mit Überkeit oder Durchfall – kann Eisen auch intravenös verabreicht werden.