Wenn die Ohren schmerzen

und wie man die vielfältigen Ursachen rechtzeitig behandelt,  
von Dr. Andrea Braunendal

Ohrenschmerzen gehören zu den häufigeren Beschwerden in der kalten Jahreszeit. Dabei können sie verschiedene Ursachen haben und es können verschiedene Teile des Ohres betroffen sein.
Daher ist es ratsam rasch einen Arzt aufzusuchen, um mit der Be- handlug möglichst früh an der richtigen Stelle zu beginnen.

Entzündungen der Ohrmuschel
Entzündungen der Ohrmuschel können bakteriell, allergisch oder durch Pilzinfektionen bedingt sein. Auch ein Sonnenbrand – nicht nur im Sommer, sondern auch beim Wintersport – kann zu Entzündungen führen. Diese Entzündungen der Ohrmuschel können sehr schmerzhaft sein und sollten von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Je nach Schwere der Entzündung erfolgt die Behandlung der betroffenen Stelle lokal oder durch eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika.

Verletzungen der Ohrmuschel
Verletzungen der Ohrmuschel wie Rissquetschwunden oder Blutergüsse sollten ebenfalls von einem Arzt behandelt werden. Denn es besteht immer die Gefahr, dass sich der Knorpel der Ohrmuschel in Folge der Verletzung entzündet, was bis zum Verlust von Teilen der Ohrmuschel führen kann.

Entzündungen des äußeren Gehörgangs
Der äußere Gehörgang reicht von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell und ist 2 bis 2,5 cm lang. Entzündungen des äußeren Gehörgangs können verschiedene Ursachen haben. Meist sind es Baktieren oder Pilze, die für die Infektion verantwortlich sind, selten Allergien. Im Gehörgang befinden sich kleine Borstenhaare und das Ohrenschmalz, das aus Talg und abgestoßenen Haut-schuppen besteht. Die Borstenhaare befördern das Ohrenschmalz und mit ihm Verunreinigungen nach außen. Fehlt diese Schutzschicht, ist die Haut im Gehörgang anfälliger für Entzündungen.
Ursache für das Fehlen der wichtigen Schutzschicht sind oft das zu häufige Reinigen mit Wattestäbchen oder Rückstände von Haarshampoos und Kosmetika, die den oberflächlichen PH-Wert verändern. Das Infektionsrisiko steigt bei:

  • Feuchtigkeit im Ohr nach dem Baden oder Schwimmen, vor allem bei knöchernen Einengungen des Gehörgangs (Exostosen)
  • Häufiges Schwimmen in Chlorwasser, da das Chlor die Gehörgangshaut austrocknet
  • Irritationen oder Verletzungen durch Wattestäbchen und Ohrenstöpsel, die zu tief ins Ohr gelangen
  • trockene, empfindliche Gehörgangshaut bei Hauterkrankungen wie Ekzemen oder Neurodermitis
  • Vorliegen von Diabetes oder anderen Krankheiten, die das Auftreten von Infektionen begünstigen
  • Allergien gegen Seifen, Haarsprays, Kosmetika oder gegen Ohrpassstücke von Hörgeräten

Symptome und Behandlung der Ohrenentzündung
Bei bakteriellen oder pilzbedingten Entzündungen des äußeren Gehörgangs:
Juckreiz, Rötung, starke Schmerzen, Anschwellen des Gehörgangs, Schmerz bei Druck auf den Tragus (knorpelige Erhebung vor dem Gehörgang) oder beim Ziehen an der Ohrmuschel, Ausfluss aus dem Ohr, Hörminderung, Schmerzen beim Kauen

Die Behandlung beginnt mit der Reinigung des Ohres, bei der Sekret und Hautschuppen abgesaugt werden. Wenn erforderlich, werden entzündungshemmende oder pilzabtötende Ohrstreifen eingelegt. In schweren Fällen können Antibiotika in Kombination mit schmerzstillenden Mitteln verabreicht werden.

Gehörgangsverschluss
Dieser Verschluss bildet sich, wenn sich so viel Ohrenschmalz ansammelt, dass sich ein Pfropfen bildet. Dieser Pfropfen kann beim Baden oder Duschen aufquellen, den Gehörgang verstopfen und dann gegen die empfindliche Innenwand drücken. In Folge leidet man unter einer Hörminderung und unter Schmerzen. Dieser Propfen kann vom Arzt herausgespült oder mit Saugern und kleinen Zangen entfernt werden. Wattestäbchen sollten keinesfalls verwendet werden, da man den Pfropfen nur weiter in den Gehörgang drückt und das Trommelfell verletzen kann.
Fremdkörper im Ohr kommen eher bei Kindern vor, müssen aber jedenfalls immer von einem Spezialisten entfernt werden.

Verletzungen des Trommelfells
Direkte Verletzungen des Trommelfells werden von spi-tzen Gegenständen wie beispielsweise von Bleistiften, Stricknadeln oder Wattestäbchen, bei denen die Watte abgerutscht ist, verursacht. Typisch sind plötzliche, starke Schmerzen und das Austreten von Blut oder Flüssigkeit, verbunden mit Schwindel,  Hörverlust und  Ohrgeräuschen.
Indirekte Verletzungen können durch Luftdruckver-änderungen (Schlag aufs Ohr, Explosionen, Tauchunfälle) ausgelöst werden oder sie sind Folge einer Mittelohrentzündung.
Kleinere Trommelfellverletzungen heilen in der Regel von selbst ab. Nur  bei größeren Verletzungen ist unter Umständen eine Operation nötig.

Akute und chronische Mittelohrentzündung
Mittelohrentzündungen sind bei Kindern häufig, bei Erwachsenen selten. Siehe dazu den Artikel von Dr. Sirkka-Liisa Zeder in unserer aktuellen Ordinationszeitung, Ausgabe 1/2018.

Andere Ursachen für Ohrenschmerzen
Die Ursache für Ohrenschmerzen muss nicht immer im Ohr selbst liegen: Auch Erkrankungen der Zähne, des Kiefergelenks, des Mund-/Rachenbereichs,  der Ohr-speicheldrüse oder die Halswirbelsäule können die Ursache sein. l