Gefährliche Tiere am Mittelmeer

von Dr. Andrea Braunendal

Ich persönlich empfinde ja das Mittelmeer als „größte Badewanne der Welt“, deshalb und aufgrund der Nähe sind wohl Urlaube in Kroatien, Griechenland, Italien und Spanien so beliebt. Doch gibt es im europäischen Süden auch ein paar wenige Tiere, die für uns gefährlich werden können. Hier einige Tipps was zu beachten ist, wenn man ihnen – wenn es auch eher selten geschieht – begegnet:

An Land und an den Küsten ist zu beachten:
Kroatien ist – vor allem im Norden und eher im Landesinneren – ein Zeckenrisikogebiet. Aber als SteirerIn sollte man ohnehin gegen FSME geimpft sein.

Wespen und Bienen gibt es überall, AllergikerInnen sollten also ihr Notfallset auch im Urlaub dabei haben.

Ähnlich schmerzhaft wie ein Wespenstich ist jener des Skorpions. Skorpione sind eher mit Spinnen als mit Bienen und Wespen verwandt: BienenallergikerInnen müssen also nicht auch auf Skorpionstiche allergisch reagieren. Da aber auch Skorpionstiche eigene Allergien auslösen können, muss man im Fall des Falles einen Arzt aufsuchen. Skorpione verkriechen sich ganz gerne in Schuhen – also erst einen Blick hineinwerfen bevor man sie anzieht.

Spinnen: Die giftigste Spinne in Kroatien ist die Schwarze Witwe. Sie hält sich meist in der Nähe von Insekten bei Steinen und Mauern aufhält. Auch Spinnen huschen im Regelfall schnell davon, aber es könnte theroteisch passieren, dass man sich z.B. bei einer Steinmauer auf sie setzt. Wird man gebissen, sollte man umgehend ein Krankenhaus aufsuchen und sich ein Antiserum verabreichen lassen.

Schlangen: Giftig sind die Sand- bzw. Hornviper und die auch bei uns lebende Kreuzotter. Schlangen sind sehr scheu und flüchten eher als anzugreifen. Wer in unwegsamem Gelände unterwegs ist, kann entweder mit einem  langen Stock vor sich auf den Boden klopfen oder kleine Steinchen vor sich her werfen und so die Tiere verscheuchen. Der Biss beider Schlangen ist sehr schmerzhaft. Da die Gefahr einer Allergie oder eines anaphylaktischen Schocks gegeben ist, ist sofort ein Notarzt zu verständigen.

Im Meerwasser ist zu beachten:
Sowohl beim Schnorcheln wie beim Tauchen gilt: Beobachten Sie das Leben im Wasser, aber lassen Sie die Finger davon. Muränen, Stachelrochen und Drachenköpfe sind gefährliche Fische. Da sie sich aber in der Regel in größeren Tiefen aufhalten, sind sie lediglich für Taucher gefährlich.

Im Sand versteckt lauert das Petermännchen auf seine Beute. Seine Giftstacheln können auch Badegäste verletzen. Da es sich im Sand bis auf die Augen eingräbt ist es kaum zu sehen. Daher kann es vorkommen, dass der kleine Fisch für Verletzungen Badender sorgt. Der Schmerz setzt sofort ein und breitet sich auf benachbarte Körperregionen aus. Meist entwickelt sich eine starke Gewebeschwellung, eventuell bilden sich flüssigkeitsgefüllte Blasen. Nach 24 Stunden erscheint die Wunde oft taub und gefühllos. Erste Hilfe: Wunde von Stacheln oder Geweberesten befreien und desinfizieren. Falls nicht sofort ärztliche Hilfe erreicht werden kann, Eintauchen der betroffenen Extremität in tolerierbar heißes Wasser (ca. 45 °C), damit das auf Eiweiß basierende Gift zerstört wird. Anschließend Arzt aufsuchen.

Kugelfisch: Der aus der japanischen Küche bekannte und mit einem tödlichen Gift ausgestattete Kugelfisch erobert zunehmend das Mittelmeer. Für Badende ist er ungefährlich, da er sich nur in größeren Wassertiefen aufhält. Allerdings müssen Fischer und Angler darauf achten, diesen Fisch nicht unerkannterweise auf dem Teller landen zu lassen.

Feuerquallen: Ihre Nesseln verursachen Verletzungen, die einer Verbrennung ähneln und Narben hinterlassen können. Da man die langen Tentakel kaum rechtzeitig sieht, kommen Verletzungen immer wieder vor. Falsche Behandlungen verschlimmern die Verletzungen meist, daher halten Sie sich bitte an folgende Verhaltensregeln:
1. Nach einem Quallenkontakt Ruhe bewahren. Wer panisch um sich schlägt läuft Gefahr, noch mehr abzubekommen. Sofort ans Ufer schwimmen und die betroffene Hautstelle untersuchen.
2. Etwaiger noch anhaftender Schleim enthält weitere, noch nicht aktivierte Nesselzellen. Um zu verhindern, dass diese platzen, die Hautstelle nur mit Meerwasser oder Essig vorsichtig säubern. Niemals Süßwasser oder gar Alkohol dafür verwenden.
3. Auch Rasierschaum hilft gut, um Quallenreste zu entfernen: vorsichtig aufstreichen, eintrocknen lassen, dann mit einem Messerrücken abstreifen. Alternativ die betroffenen Hautstelle mit trockenem Sand bedecken und vorsichtig mit einem Spatel (Messerrücken, o.ä.) abstreichen.
4. Danach die Haut mit viel Eis kühlen und viel Wasser trinken.
5. Nach der ersten Kühlung abwechselnd Essigkompressen und Eiswickel einsetzen, dies wirkt rasch schmerzlindernd.
6. Lässt der Schmerz auch über eine längere Zeitspanne (über eine Stunde) nicht entscheidend nach, nehmen sie ein antiallergisches Medikament in Tablettenform oder streichen sie die betroffenen Hautstellen mit Antihistaminika, einer Kortison- oder Brandsalbe ein.
7. Bei Auftreten von Schwindel, Übelkeit oder Atemnot ist sofort ein Arzt aufzusuchen um einem Kreislauf-zusammenbruch oder einen allergischen Schock zu verhindern. Gleiches gilt für den Sonderfall, dass die Augen in Kontakt mit einer Qualle gekommen sind.
Gefährlicher, aber selten sind die Würfelqualle bzw. Mittelmeer-Seewespe sowie die Portugiesische Galeere. Für die rasche Behandlung gilt das zuvor Beschriebene.

Seeigel: Am häufigsten passieren Verletzungen, wenn man auf einen Seeigel tritt – Badeschuhe sind die beste Vorbeugung. der häufigste schwarze Seeigel ist nicht giftig. Aber seine Stacheln dringen leicht und tief in die Haut ein Da sie mit Widerhaken besetzt sind und extrem leicht abbrechen, sind sie nur schwer zu entfernen. Die Behandlung bei einem Seeigel-Stich besteht vor allem darin, möglichst schnell alle Stacheln und Stachelreste aus der Haut zu entfernen. Dickere Stacheln kann man mit einer Pinzette oder Kanüle entfernen. Alternativ kann man sie zum Beispiel mit Pflanzenöl einweichen und nach 24 Stunden mit einer Pinzette entfernen.
Bei Stacheln in oberen Hautschichten wird manchmal empfohlen, sie mithilfe von Essig aufzulösen. Dazu wird die Wunde mehrmals täglich in einer essighaltigen Lösung gebadet. In der Zwischenzeit legt man einen Verband mit einer in Essig getränkten Kompresse an.
Manchmal müssen Seeigel-Stacheln chirurgisch entfernt werden, besonders wenn sie sich in tiefere Hautschichten gebohrt haben.
Die durch Seeigel-Stiche verursachten Wunden müssen sorgfältig desinfiziert werden. Die Symptome werden entsprechend behandelt, also zum Beispiel mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten.
Bei fehlendem oder unsicherem Impfschutz erhält der Patient eine Tetanusimpfung.