Unser Feinstaub macht uns krank

von Dr. Björn Zeder

Die Luft ist lau, der Himmel blau, der Frühling ist da. Was kümmern uns da noch die unglaublich vielen Feinstaubtage der letzten Monate? Aber keine Sorge, der Feinstaub kommt wieder. Was man dagegen tun kann? Entweder darauf warten, dass uns die Politik Heizen, Splitt/Salzstreuen und Autofahren verbietet, oder doch selbst Ver-antwortung unternehmen. Denn Feinstaub vermeiden können nur wir selbst – entweder gezwungenermaßen oder freiwillig.
In Gratwein-Straßengel gab es im Zeitraum 1. November 2016 bis 28. Februar 2017 23 Tage, in denen der vorgegebene Grenzwert übrschritten wurde. In unserer Ordination häuften sich Probleme mit extrem lange andauernden Atemwegserkrankungen und ebenso langwierigen grippalen Infekten.

Was ist Feinstaub?
Feinstaub zählt zu den gefährlichsten Luftschadstoffen für die Gesundheit, da die Staubteilchen vielfältige schädliche Wirkungen in den Atemwegen und über entzündliche Prozesse im ganzen Körper entfalten. Feinstaub besteht aus winzigen Partikeln unterschiedlicher Größe und chemischer Zusammensetzung. Als Feinstaub werden Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm und kleiner bezeichnet (10 µm = 0,01 mm).
Feinstaub hat viele verschiedene Verursacher. die wichtigsten sind der Verkehr direkt über Abgase, den Gummi-abrieb der Reifen und der Bremsen sowie indirekt über das Aufwirbeln von Staub durch das Fahren. Gerade im Winter sind es die Splitt- und Salzstreuung, die dafür den Staub produzieren. Ähnlich wichtig als Verursacher ist das Heizen: Vor allem alte Kohleheizungen, aber auch das Verbrennen von Holz in Zweitheizungen ist ein wichtiger Faktor, der im Prinzip leicht zu vermeiden wäre. Feinstaub aus der Industrie und der Landwirtschaft lässt sich im Gegensatz zu den Verursachern Verkehr und Heizen nicht kurzfristig reduzieren. Für zusätzliche, zeitlich begrenzte Spitzen sorgen Feuerwerke und natürlich auch die Osterfeuer.
Ähnlich wie Graz liegt der Raum Gratwein-Straßengel und Gratkorn in einem Becken. Hier sammelt sich im Winter die kalte, verschmutzte Luft und reichert sich immer weiter mit Feinstaub an. Linderung kann nur das Wetter durch Wind odr Niederschlag bringen.

Patient: Herr Doktor, ich huste schon seit drei Wochen, ich glaub ich brauch ein Antibiotikum, sonst hört das nie auf!
Dr. Zeder: Wenn dieser Patient ansonsten lungengesund ist, wird er in der Regel kein Antibiotikum benötigen, denn in Zeiten hoher Feinstaubbelastung ist es nun einmal so, dass wir vielleicht nicht wirklich öfter erkranken, aber oft länger krank sind, wenn uns ein grippaler Infekt erwischt hat. Dieser feine Staub belastet die Atemwege im Ausmaß von rund drei bis fünf Zigaretten täglich. Das sind allerdings Zigaretten, die auch Babys, kleine Kinder sowie kranke und alte Personen rauchen müssen.
Dass Antibiotika den Feinstaubreiz nicht beseitigen können versteht sich von selbst. Außerdem helfen sie nur bei bakteriellen Erkrankungen – grippale Infekte und auch die echte Grippe sind hingegen Virsuerkrankungen.

Patient: Herr Doktor, was kann ich den sonst tun, um bei dieser Feinstaubbelastung wieder gesund zu werden?
Dr. Zeder: Unterstützen Sie die Atemwege in ihrem  Kampf  gegen die Belastung aus der Umwelt! Und das geht nun mal am besten, wenn  wir die Schleimhäute mit Feuchtigkeit und pflanzlichen Mitteln stärken. Sich bei uns im Talkessel während hoher Feinstaubbelastung viel im Freien zu bewegen oder gar Sport zu betreiben ist für unseren Körper  eher nachteilig. Das Tragen einer Chirurgenmaske schützt gegen Feinstaub, aber das ist bei uns noch nicht so modern wie etwa in Japan.

Patient: Herr Doktor, was kann der feine Staub sonst noch Böses anrichten?
Dr. Zeder: Unsere Blutgefäße verkalken frühzeitig, was zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen führt; genauso wie durchs Rauchen,  hohes Cholesterin, hohen Blutdruck, Fettleibigkeit  usw… Das Lungenkrebs-risiko steigt ebenso wie das frühere  Auftreten der sogenannten Raucherlunge, da die Lunge schlicht und einfach früher altert.

Patient: Herr Doktor,  gibt es Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen?
Dr. Zeder: Zum Teil ja. Feinstaub kann bei  Kindern beispielsweise zu Mittelohrenzündungen führen. Das liegt an dem noch schmalen Gang zwischen Rachen und Mittelohr, die Rachenentzündung breitet sich leichter ins Mittelohr aus. Und:  Die noch nicht ausgewachsene  kindliche  Lunge ist viel anfälliger in ihrer  Entwicklung, was sich im Erwachsenenleben bemerkbar  machen wird.

Patient: Herr Doktor, ich fürchte mich schon ein wenig vor dem nächsten Winter.
Dr. Zeder: Ich  auch, wenn wieder viele Patienten aufgrund der Hartnäckigkeit ihrer Atemwegserkrankungen  ganz verzweifelt zu mir kommen!

Vielen Dank für das Interview. Also fein ist der Staub wahrhaftig nicht.