Husten: immer lästig, manchmal gefährlich

Dr.  Andrea Braunendal über ein typisches Erkältungssymptom, das in seltenen Fällen auch auf ernsthafte Erkrankungen verweisen kann.

Husten ist eines der häufigsten Symptome überhaupt. „Husten“ ist das ruckartige Ausstoßen von Luft durch Zusammenziehen der Atemmuskulatur. Die ausgestoßene Luft kann Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h erlangen. Entsprechend weit fliegen die Er- reger, um sich neue Opfer zu suchen.  Das Husten ist eine Ab- wehrfunktion und dient der Rein-haltung der Atemwege. Fremdkörper, Giftstoffe, Keime und infektbedingt produziertes Sekret bzw. Schleim aus den Atemwegen werden entfernt.

Akuter Husten
Davon sprechen wir Ärzte, wenn die Beschwerden kürzer als acht Wochen andauern. Häufigste Ursache sind viral oder bakteriell bedingte Erkältungskrankheiten oder Infektionen wie Bronchitis oder Lungenentzündungen. Daher ist auch beim akuten Husten eine Abklärung durch den Hausarzt sinnvoll, vor allem wenn der Husten mit zähflüssigem Auswurf bzw. Fieber verbunden ist.

Chronischer und Keuchhusten
Von chronischem Husten spricht man, wenn dieser länger als acht Wochen anhält. Hier ist vor allem der wieder häufiger auftretende Keuchhusten von Bedeutung. Keuchhusten kann bis zu 100 Tage dauern und ist hoch ansteckend. In der ersten Phase ist er von gewöhnlichem Husten kaum zu unterscheiden. In der zweiten Phase führt er zu anfallsartigen, krampfartigen Hustenanfällen mit anschließend lautem, keuchendem Einatemgeräusch. Diese Krämpfe können insbesondere für Säuglinge und geschwächte Personen auch lebensbedrohend sein. Deshalb werden bereits Kleinkinder gegen Keuchhusten geimpft. Für Erwachsene raten die aktuellen Impf-empfehlungen zu einer regelmäßigen Auffrischung alle 10 Jahre auch im Erwachsenenalter.
In der dritten Phase klingt der Keuchhusten langsam wieder ab.
Andere, häufige Ursachen für chronischen Husten sind Asthma bronchiale und die chronische Bronchitis. Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege und gewöhnlich durch eine Entzündung und Überem-pfindlichkeit der Atemwege charakterisiert ist. Die typischen Symptome sind ein pfeifendes Atemgeräusch, Kurzatmigkeit, Beklemmungsgefühl („Brustenge“) und eben Husten.
Eine chronische Bronchitis liegt dann vor, wenn die Symptome Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens je drei Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren bestehen. Von dieser Erkrankung sind hauptsächlich Raucher betroffen (‚Raucherhusten‘).

Wie kann man Husten noch unterscheiden?
Neben der Dauer des Hustens ist für Arzt oder Ärztin von Bedeutung, ob Schleim gebildet wird oder nicht. Somit wird zwischen unproduktivem Husten (ohne Auswurf) und produktivem Husten (mit Auswurf) unterschieden. Unproduktiver Husten wird durch eine akute Reizung der Atemwege ausgelöst (Zigarettenrauch, Staub, Fremdkörper) oder er tritt in Verbindung mit Erkältungskrankheiten und anderen Infekten auf. Beispiele: Asthma bronchiale oder Nebenwirkungen von Medikamenten (ACE-Hemmer). In seltenen Fällen ist Reizhusten das einzige Symptom einer kleinen Lungenembolie.
Schleimproduzierender Husten wird häufig von Erkäl-tungskrankheiten, Bronchitiden, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen sowie Lungenentzündungen ausgelöst.
Bluthusten: Blutige Beimengungen im Schleim machen Angst. Einmalige, geringe Blutspuren haben aber oft harmlose Ursachen (kleine Verletzungen im Nasen-Rachenraum, Zahnfleisch- oder Nasenbluten). Allerdings: Bei schaumigem Bluthusten sowie Blutbeimengungen im Speichel über längere Zeit sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Treten die blutigen Beimengungen öfters auf, ist die Abklärung möglicher schwerwiegender Ursachen der Blutungen wie Tuberkulose, Lungen-entzündung, Lungenkrebs, Lungenembolie, Herzinsuf-fizienz etc. dringend erforderlich.

Diagnose bei Husten
Zu Beginn macht sich der Arzt oder die Ärztin im Zuge eines ausführlichen Gesprächs einen ersten Eindruck über das Krankheitsbild. Unter anderem ist es ist wichtig zu wissen, wie lange der Husten schon besteht, um welche Art von Husten es sich handelt und ob er von anderen Symptomen begleitet wird. Anschließend wird die Lunge mit dem Stethoskop abgehört. Abhängig von der möglichen Ursache des Hustens können weitere Untersuchungen notwendig werden.

Behandlung von Husten
Je nach Ursache des Hustens ist abzuwägen, ob die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden muss oder ob es genügt, das Symptom selbst zu lindern.
Bei schleimproduzierendem Husten helfen schleimlösende Medikamente (Mukolytika, Sekretolytika). Sie helfen, den zähen Schleim zu verflüssigen, der sich dann leichter abhusten lässt.  Auch Inhalationen mit Meersalz oder pflanzlichen Aufgüssen (z.B. Kamillenöl) sowie Brust-umschläge und salzhaltige Nasensprays werden oft als lindernd empfunden. Für die Verflüssigung des Schleims braucht es jedenfalls Flüssigkeit. Hier sind Tees wie Malve, Süßholz oder Thymian zu empfehlen.
Bei schleimproduzierendem Husten ist das Unterdrücken des Hustenreizes nicht zu empfehlen, da dann der Schleim nicht abgehustet wird und die Atemwege verlegt.
Hustenstillende Medikamente (Antitussiva) dürfen daher nur bei unproduktivem Reizhusten und nach einem Arztbesuch eingenommen werden. Sie wirken meist direkt im Gehirn, wo sie am Hustenzentrum den Hustenreiz dämpfen.
Gegen den nächtlichen Hustenreiz wirken auch einfache Hausmittel wie ein Löffel Honig oder Ziebelsud. Auch das Hochlagern des Oberkörpers kann Abhilfe verschaffen. l