Eisenmangel: unterschätzte Gefahr

Dr.  Andrea Braunendal über Symptome, Ursachen und Therapien von Eisenmangel

Eisenmangel ist eine der verbreitetsten und zu gleich unterschätztesten Mangelerscheinungen in Mitteleuropa. Am stärksten sind Frauen betroffen, durchschnittlich leidet jede 5. Frau unter Eisenmangel.
Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst produzieren kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss. Wichtig ist Eisen unter anderem für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und damit für den Sauerstofftransport. Zusätzlich ist Eisen Bestandteil der Kraftwerke in den Zellen und von Enzymen.

Symptome des Eisenmangels
Zu den gängigsten Erscheinungsbildern des Eisenmangels zählen die folgenden:

Symptome des zentralen Nervensystems:
Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung
Konzentrationsstörungen
Schlafstörungen
Kopfschmerzen
Gedrückte Stimmungslage
Symptome von Haut und Haaren:
Haarausfall, stumpfes Haar, brüchige Fingernägel
Eingerissene Mundwinkel („Mundecken“)
Allgemeine Symptome:
Höhere Infektanfälligkeit
Kälteempfindlichkeit
Reduzierte Ausdauerleistung
Unerklärlicher Leistungsknick
Kurzatmigkeit, rasche Ermüdung bei Anstrengung

Außerdem gibt es Hinweise, dass Eisenmangel in Zusammenhang gebracht werden kann mit:

Syndrom der unruhigen Beine – das „Restless Legs Syndrome“
Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität bei Kindern und Jugendlichen
Wochenbettdepression bei Frauen kurz nach der Geburt

Ist der Eisenmangel schon so weit fortgeschritten, dass er zu einer Anämie (Blutarmut) führt, können sich noch weitere Symptome einstellen:
Herzklopfen
Atemnot schon bei leichter Anstrengung
Blasse Haut und Schleimhäute

Diagnose von Eisenmangel
Da die ersten Sympome wie Müdigkeit oder Kopf-schmerzen doch recht allgemeiner Natur sind, ist auch für den Arzt die Diagnose auf Basis des klinischen Erscheinungsbildes nicht ganz einfach. Andererseits liefert schon ein einfacher Bluttest eindeutige Ergebnisse: Die aussagekräftigen Parameter liefert das Eisen-Blutbild. Sind die entsprechenden Werte zu niedrig, liegt ein Eisenmangel vor, der behoben werden muss.

Behandlung von Eisenmangel
Im Regelfall besteht der erste Schritt darin, den Körper wieder ausreichend mit Eisen zu versorgen und die Eisenspeicher aufzufüllen. Dies geschieht mit eisenhältigen Tabletten, Kapseln, Säften oder Infusionen. Wie gut die Wirkung der Therapie ist, lässt sich durch einen wiederholten Bluttest nach ca. 8 Wochen feststellen. Denn dann ist ablesbar, ob nicht nur genug Eisen im Blut ist, sondern auch, ob die Eisenspeicher wieder gefüllt sind.

Ursachen von Eisenmangel
Im zweiten Schritt ist es wichtig die Ursachen für den chronischen Eisenmangel zu finden. Die erste Möglichkeit ist, dass der Körper einen erhöhten Bedarf an Eisen hat.
Dies ist in folgenden Situationen gegeben:
Schwangerschaft und Stillzeit: Werdende und stillende Mütter haben einen bis um das sechsfache erhöhten Eisenbedarf.
Wachstum und Entwicklung bei Jugend-lichen: Auch der heranwachsende Körper hat hohe Ansprüche an die Eisenzufuhr. Kommt bei Mädchen dann noch eine starke Menstruation dazu, ist ein Eisen-mangel vorprogrammiert.
Leistungssport: Auch die vermehrte Muskelarbeit und der abgesonderte Schweiß sorgen für einen Mehrbedarf an Eisen.
Ein erhöhter Eisenbedarf ist auch in Situationen gegeben, die mit hohem Blutverlust einhergehen – also bei bestimmten Operationen, regelmäßigem Blutspenden oder bei starker Regelblutung.
Auch Vegetarier und Veganer neigen zu Eisenmangel, wenn sie der Eisenzufuhr in ihrer Ernährung nicht besondere Beachtung schenken.

Ist all dies nicht der Fall muss der Arzt verschiedene Optionen prüfen. Denn es kann auch schwerwiegende Gründe für einen Eisenmangel geben:
chronische Blutungen: Manche Erkrankungen sind mit chronischen Blutungen verbunden. Hierzu zählen vor allem chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Magen- und Darmgeschwüre und dergleichen. Auch nach Operationen im Magen-Darmtrakt muss augeschlossen werden, dass es keine Nachblutungen gibt.
Verdauungsstörungen wie Zöliakie und andere Un- verträglichkeiten wie Laktoseintoleranz können Eisenmangel hervorrufen.
Magenschutzpräparate können ebenso eine Ursache für Eisenmangel sein.
Eisenmangel kann auch ein Indiz für chronische Erkrankungen sein, die mit chronischen Entzündun-gen einher gehen: Neben den bereits genannten Magen-Darm-Entzündungen sind auch chronische Herzerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und Krebserkrankungen in Betracht zu ziehen.

Eisen und die richtige Ernährung
Wie hoch der Eisenbedarf des Menschen ist, hängt von Alter, Geschlecht und Entwicklungsphase ab. Bei gesunden Erwachsenen bis 50 Jahren wird empfohlen täglich 10 mg (Männer) bzw. 15 mg (Frauen) aufzunehmen. Bei deutlichem Eisenmangel ist ein Ausgleich nur über die Ernährung nicht möglich, die richtige Auswahl von Lebensmitteln wirkt aber unterstützend.
Dabei wird zwischen zwei Arten von Eisen unterschieden: Häm-Eisen und Nicht-Häm-Eisen.
Häm-Eisen findet sich in rotem Fleisch und Innereien, in Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel. Es wird etwa dreimal besser aufgenommen als pflanzliches Eisen. Beson-ders gute Eisenlieferanten sind Blutwurst oder Leber.
Nicht-Häm-Eisen kommt in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Dieses Eisen kann nicht so gut vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, außerdem ist Eisen in pflanzlichen Lebensmitteln in der Regel geringer konzentriert. Die Zufuhr sollte also regelmäßiger erfolgen. Dennoch können auch Vegetarier mit einer ausgewogenen Ernährung den täglichen Eisenbedarf decken. Einen relativ hohen Eisengehalt unter pflanzlichen Nahrungsquellen bieten Hülsenfrüchte wie Linsen, Sojabohnen oder Kichererbsen.
Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme aus den genannten Lebensmitteln. Schwarztee, Kaffee, Milchprodukte und Weißmehlprodukte verschlechtern die Eisenaufnahme   und sollten daher 30 bis 60 Minuten vor einer eisenreichen Mahlzeit vermieden werden.