Gicht: Ursachen und Behandlung

Dr. Andrea Braunendal über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Gicht.

Gicht – was ist das eigentlich?
Der medizinische Name der Gicht ist „Hyperurikämie“. Er bedeutet, dass zu viel Harnsäure im Blut ist. Dieser erhöhte Harnsäurespiegel kann lange unbemerkt bleiben, führt aber im Endeffekt zur klassischen Gicht – also zu stark schmerzenden Schwellungen an Gelenken, vorrangig am Grundgelenk der großen Zehe. Auslöser der Gichtanfälle sind Harnsäure-kristalle, die sich am Gelenk ablagern und dort die Schwellungen und Entzündigen verursachen.
Die Harnsäure ist ein Abbauprodukt von Purinen. Diese Purine sind wichtige Grundbausteine unserer Zellen. Sie werden größtenteils vom Körper selbst gebildet, aber auch über die Nahrung aufgenommen.
Einem erhöhten Harnsäurespiegel liegt in 90% der Fälle eine genetische Stoffwechselstörung zugrunde. Diese führt dazu, dass der Körper zuviel Purin und damit zu viel Harnsäure produziert bzw. die Niere die überschüssige Harnsäure zu wenig ausscheidet. Die Gicht als schmerzhafte Folgeerkrankung ist dabei letztlich weniger gefährlich als die langfristige Schädigung der Nieren.
Männer sind von Gicht wesentlich häufiger betroffen als Frauen. 80% der Gichtpatienten sind Männer. Bei ihnen bricht die Erkrankung meist zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr aus. Frauen erkranken wenn überhaupt meist erst nach den Wechseljahren an Gicht.

Wie gefährlich ist Gicht?
Gicht ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sie erhöht auch das Risiko für andere lebensbedrohende Erkrankungen. So tritt eine Herzinsuffizienz bei Gichtpatienten 25x häufiger auf, Myokardinfarkte 7x häufiger, Schlaganfälle 3x häufiger.

Welche Rolle spielt die Ernährung?
Wie schon erwähnt ist ein erhöhter Harnsäurespiegel zu 90% genetisch bedingt, die Ernährung ist also nur selten die wahre Ursache von Gichtanfällen. Wenn aber der Körper schon selbst zu viele Purine produziert oder die Niere zu wenig Harnsäure abbaut, dann ist purinreiche Kost natürlich das sprichwörtliche „Tüpfelchen auf dem i“. Mit der Reduzierung von purinreicher Kost kann man also Gichtanfälle vermeiden, allerdings reicht die Umstellung der Ernährung nicht aus, um den Harnsäurespiegel auf ein gesundes Maß zu senken – dazu etwas weiter unten.

Purine sind in allen Lebensmitteln vertreten, wirken sich aber je nach Herkunft unterschiedlich aus:
– Purine aus tierischen Lebensmitteln (Fleisch- und Wurstwaren) erhöhen die Harnsäurekonzentration.
– Pflanzliche Purine beeinflussen diesen Spiegel nicht.
– Purine aus Milchprodukten verringern das Risiko einer Gichterkrankung.

Nicht nur Speisen, auch Getränke wirken sich aus:
Besonders negativ wirkt sich Bier aus, wobei Weißbiere und alkoholfreie Biere die Harnsäurekonzentration besonders stark einsteigen lassen.
Auch Fructose steigert die Harnsäurekonzentration dramatisch – sie ist in Süßgetränken enthalten.
Wein wirkt sich nur gering negativ aus.
Positive Wirkung hat hingegen Kaffee. Lange bei Gicht verteufelt, zeigen neueste Studien, dass Kaffee in Maßen bei Gicht sogar positiv zu bewerten ist.
Wer unter Gicht leidet, sollte also auf Fleisch, Bier und Fruchtsäfte verzichten. Allerdings kann dieser Verzicht die medikamentöse Behandlung keinesfalls ersetzen.
Nicht nur einzelne Nahrungsmittel, auch ganz generell Übergewicht erhöht statistisch das Gichtrisiko. Wichtig ist es allerdings, das überschüssige Gewicht langsam abzubauen, dabei beim schnellen Abnehmen zu viele Purine in kurzer Zeit freigesetzt werden. Mit dem Abbau von Übergewicht senkt man übrigens auch das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck.

Die Behandlung von Gicht und erhöhter Harnsäure
Bei einem akuten Gichtanfall erfolgt umgehend eine behandlung mit stark entzündungshemmenden Medi-kamenten. Rund 14 Tage und dann je nach der Höhe der Werte nötigenfalls eine Therapie einzuleiten. Entscheidend ist es, den Harnsäurespiegel auf 6,0 mg/dl Blutserum zu senken. Dies ist auch dann notwendig, wenn keine Gichtanfälle mehr auftreten, um einer Schädigung der Nieren zu vermeiden.
Die Harnsäure wird auch im Rahmen der Gesunden-untersuchung bestimmt. Auch hier gilt: Liegt der Wert über 6,0, sollte er den Nieren zuliebe medikamentös gesenkt werden. Dies ist auch dann erforderlich, wenn noch keine Gicht aufgetreten ist.
Da es sich bei Gicht bzw. erhöhter Harnsäure im Regelfall um eine genetisch bedingte Funktionsstörung des Stoffwechsels handelt, müssen die vom Hausarzt verschriebenen Medikamente dauerhaft eingenommen werden, um den Harnsäurespiegel dort zu halten, wo er sein soll. Man darf also die Medikamente nicht einfach absetzen, wenn keine Gichtanfälle mehr auftreten bzw. wenn der Harnsäurewert erfolgreich auf das gewünschte Niveau gesenkt wurde.